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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Agathonisi - humanitäre Krise wegen Flüchtlingen...



Bettina
24.June.2009, 18:20
Eine Bombe kurz vor der Explosion....so in etwa ist die Stimmung derzeit auf der kleinen Insel Agathonisi, dem kleinen Inselchen ca. 12 Km vom türkischen Festland entfernt....

Die 10 Männer der Nationalgarde übergaben dem Vorstand der Gemeinde ihre Waffen. So wollen sie ihre Auswegslosigkeit auf Grund der großen Anzahl von wirtschaftlichen Flüchtlingen die über die benachbarte Türkei kommen zeigen.

Vergangenen Donnerstag kamen wieder 193 Menschen aus Afghanistan, Pakistan und Somalia, sie wurden außerhalb der Insel in Booten entdeckt und von der Küstenwache aud die Insel gebracht, Einwohner der Insel gerade mal 170.

Frauen Männer und Kinder, 193 Seelen leben dort nun schon seit 5 Tagen in den Feldern, ohne einem Dach über dem Kopf, ohne staatl. Fürsorge, ohne ärztl Versorgung und den niedrigsten hygienischen Umständen.

Die Einwohner der Insel bringen ihnen Essen, Wasser und Kleidung, so wie auch sonst schon immer wenn Flüchtlinge von türkischen Sklavenhändlern dort abgesetzt werden.

Die Stimmung war in letzter Zeit schon sehr angespannt, aber nun hat der letzte Tropfen das Fass zum überlaufen gebracht, da auch die Anzahl der Flüchtlinge größer ist als die der Einwohner.

Die Flüchtlinge beginnen nun zu stehlen, dringen in ihrer Not in die Häuser ein und stehlen Nahrung, Kleider, Decken.....urinieren in Kirchen und Kapellen....die Bürger der Insel sagen "Wir sind keine Rassisten, aber wir werden gezwungen welche zu werden" und sie warnen davor, daß das Böse nicht mehr lange auf sich warten läßt.

Es ist bekannt, dort wo es keine staatliche Fürsorge und Strukturen gibt, herrscht Rassimus. Diesen Spruch wiederholen die Soziologen wieder und wieder, aber keiner will sie hören. Die dicken Worte der regierenden Redner kommen nachträglich um ihre Gleichgültigkeit des Staates und der Zuständigen gegenüber ihrer eigentlichen Aufgabe zu decken. Agathonisi ist hierfür eines dieser Beispiele.

Quelle: zougla.gr (http://www.zougla.gr/news.php?id=48542)

gawriella
24.June.2009, 22:26
Mannomann. Das sieht ja nicht gut aus. Da bin ich reichllich sprachlos. Athen ist weit und hat taube Ohren. Nicht zu fassen.

Sabinara
25.June.2009, 06:47
Ich habe die Insel kennengelernt, auf der Fahrt von Samos nach Patmos haben wir dort 2002 Station gemacht und ich mochte es dort.

Traurig, was aus solch' kleinen, verträumten Inselchen werden kann.

Alle schauen zu und keiner tut was von den Verantwortlichen !

ReneMeyer
25.June.2009, 12:43
Das ist ja wirklich schrecklich. Kann man denn keine Hilfsorganisation da aufmerksam machen? Aber um ehrlich zu sein - die Flüchtlinge könnten doch zumindest irgendwo draußen urinieren, und nicht in Kirchen - ein bißchen Anstand könnten sie schon zeigen...

Kretamum
25.June.2009, 14:26
Ich schick den Link einmal an Amnesty.

mia
25.June.2009, 14:27
Ich schick den Link einmal an Amnesty.

Bitte! DANKE!!!

Kretamum
27.June.2009, 10:01
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1810723_Tuerkei-provoziert-Griechenland-Dunkle-Wolken-ueber-der-aegaeis.html

Was die Flüchtlingsproblematik angeht, gibt es mittlerweile große Unstimmigkeiten mit der Türkei, die nichts oder zu wenig gegen die Schleuserbanden unternimmt.

Gerd Höhler geht in seinem obigen Artikel auch näher auf dieses Thema ein.

charis
27.June.2009, 21:50
Schade, ich war Anfang der 90er dort, es war eine sehr idyllische Insel...
Griechenland ist auf solche Fälle leider nicht vorbereitet. Hoffentlich eskaliert die Situation nicht weiter und es kommt zu keinen großn Zwischenfällen.
Ich glaube, dass sich Griechenland und Türkei bald von alten Strukturen lösen und auf Kooperation setzen.
Der Konflikt mit den Seemeilen hat es in den 70ern angefangen, als ein türkisches Boot (Sismik) Erdöl in der Ägais suchen wollte.

Kretamum
28.June.2009, 10:37
http://www.zougla.gr/news.php?id=49309

Gestern sind schon wieder 81 Flüchtlinge vor Agathonisi aufgegriffen worden, die mit zwei Motorbooten von der türkischen Küste aus aufgebrochen waren.

Derzeit befinden sich die Flüchtlinge, darunter 3 Frauen und 7 Minderjährige auf der medizinischen Station in Patmos.

Joschy
28.June.2009, 13:05
Haben die von AI schon was dazu gesagt ?
Echt arg ! Lampedusa ist ja wohl so ähnlich das Probelm.

Kretamum
29.June.2009, 19:09
Von AI Österreich kam heute die Nachricht, dass die Meldung umgehend an das Internationale Sekretariat in London weitergeleitet wird.

In London sind etwa 300 MitarbeiterInnen als LänderspezialistInnen für die Recherchen von Menschenrechtsverletzungen zuständig.

Und ich sag vorerst einmal Danke!

Kretamum
22.July.2009, 12:12
Einen Spezialeinsatz hat die österreichische Flugpolizei hat in den vergangenen fünf Wochen absolviert. Ein Helikopter wurde auf der griechischen Insel Lesbos stationiert und flog täglich Patrouillen, um illegale Migranten, die in Schlauchbooten von der nahen türkischen Küste die Insel erreichen wollen, aufzuspüren. Am Dienstagabend landete der Helikopter mit den beiden Piloten in Klagenfurt, Crew-Kommandant Helmut Metzler zog im APA-Gespräch eine positive Bilanz.

Der Einsatz wird von der europäischen Grenzschutz-Agentur Frontex durchgeführt und von 22 EU-Mitgliedsstaaten unterstützt. Die "Operation Poseiden", die seit Mitte März auf Lesbos, Kios, Samos und Leros läuft, wurde notwendig, weil Griechenland der Migranten nicht mehr Herr wurde. "Die Ostküste von Lesbos ist übersät mit Schlauchbooten und Schwimmwesten, im Hafen türmen sich ebenfalls Boote und Außenbordmotoren", erzählt Metzler. Seit Beginn der Patrouillen sei die Zahl der Flüchtlinge jedenfalls bereits abrupt gesunken.

Hier geht's zum vollständigen Text der Oberösterreichischen Nachrichten:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/aussenpolitik/art391,226827

ReneMeyer
22.July.2009, 20:06
Kretamum: Interessanter Artikel - das loest aber das Grundproblem nicht, nämlich daß Flüchtlinge, die ohne Paß und Angabe von Startort kommen, nicht mehr irgendwohin zurückverfrachtet werden können. In dieser Hinsicht nehmen die Afrikaner mit ihrem Bevölkerungsdruck uns einfach in Geiselhaft... Wir könnten ja mal diskutieren, wie ein humaner Umgang mit den Flüchtlingen bei gleichzeitiger Wahrung der europäischen Interessen (möglichst wenig Immigration wenigqualifizierter Personen) aussehen könnte - ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung. Eine Möglichkeit wäre, daß man mit den nordafrikanischen Staaten zusammenarbeitet, um die illegale Immigration am Ausgangspunkt zu bekämpfen, z.B. durch den Aufbau einer funktionierenden und nicht korrumpierten Küstenwache.

Jasmina
22.July.2009, 20:37
Wenn die Staaten ihren Bürgern ein Leben ermöglichen könnten, dass diese nicht sich gezwungen sehen würden, zu flüchten. Da es ja allerdings so ist, dass die Kluft sehr groß ist, habe ich da wenig Hoffnung, dass sich dauerhaft an diesen Strömen etwas ändern lässt.
Sorry, aber irgendwie bin ich da pessimistisch.

Jasmina

Kretamum
23.July.2009, 10:09
Der Pessimismus von Jasmina ist wohl nicht verkehrt.
Ich glaube, dass die Flüchtlingsströme noch zunehmen werden, auch als Auswuchs der Wirtschaftskrise.
Unterstützung vor Ort wäre wohl am zielführendsten, wenn sichergestellt ist, dass diese auch an den richtigen Stellen ankommt.
Und den Schleppern müßte man das Handwerk legen, die verdienen sich einen golden "A-r-s-c-h" am Leid der Flüchtlinge.