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Thema: Endlich ist das Ding gepackt! Nach 35 Jahren nochmal ein Solo mit Rucksack

  1. #121
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    Sehr schöner Bericht , vielen Dank , sehr treffend geschrieben, da kommt Sehnsucht und Freude auf. Wo sind die Fotos ?

    Falls Du Interesse hast , mein Gavdosbericht, die Wurzel hab ich auch fotografiert http://www.kretaforum.info/showthrea...age-auf-Gavdos
    Geändert von kiki (4.February.2018 um 12:12 Uhr)
    Η Κρήτη βρίσκεται στην καρδιά μου

  2. #122
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    Geändert von belgofritz (4.February.2018 um 16:13 Uhr)

  3. #123
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    Da kriegst du jetzt bestimmt Post von Kithira, Kiki, wenn du belgofritz nach Fotos fragst. . . Mir ist es wenigstens so gegangen nach dem letzten Bericht.

    Wieder sehr lebensecht geschrieben, belgofritz, wenn ich das jetzt hier so sagen darf. Man weiß ja nie??

    Allen einen schönen Sonntag - krassi

  4. #124
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    Zitat Zitat von Kithira Beitrag anzeigen
    krassi, du bist einfach unglaublich ...

    Belgofritz - DANKE!

  5. #125
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    Danke für die Fortsetzung deines interssanten Reiseberichts. Wie immer sehr spannend zu lesen
    LG Dorad

  6. #126
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    Hallo Belgofritz,
    herzlichen Dank für die wunderbaren Bilder und Deine Zeilen über Gavdos.
    Es ist nach wie vor immer noch ein Reiseziel von mir und ich hoffe, es in diesem Leben auch zu verwirklichen.
    Grüße Insel

  7. #127
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    Hallo Belgofritz,
    als langjährige Kretareisende (Premiere Ende der 70er) habe ich Deine Berichte sehr genossen, insbesondere wie Du mit kritischer Sympathie Menschen und Situationen schilderst - chapeau!
    Ein Tipp noch von mir für künftige Aufenthalte: es gibt sie noch, die griechischen Filterlosen - "Karelia Agriniou", 20 Stk für 3,70 € vornehmlich in Supermärkten.
    Ich freue mich auf weitere Berichte von Dir.
    Assi

  8. #128
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    Cool

    Vielen Dank für die Fotos. Den Reisebericht werde ich mir durchlesen.

    Die Dame und Herren von Bild Nr. 22 kamen mir irgendwie bekannt vor. Ich möchte auch eine Schiffstour machen.
    Lilly

    Nach dem Urlaub, ist vor dem Urlaub!


  9. #129
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    Letzte Etappe nach Léntas, sozusagen "nach Hause"

    An der Südküste gibt es kaum Busverbindungen von West nach Ost, im Gegensatz zu der gut ausgebauten Nordküste. Will man zum z.B. von Chóra Sfakíon nach Plakiás oder weiter, muss man erst wieder hoch Richtung Chaniá und dann bis Réthimnon, um wieder in den Süden zu kommen, zumindest mit dem Auto.
    Heute morgen um 10.00 Uhr geht immerhin ein Bus bis Frangokástello an der Südküste entlang, was schonmal in meiner Richtung liegt. Von dort aus will ich dann bis Míres trampen, von wo es kein Problem sein wird, nach Léntas zu kommen.

    Ich hatte vor ein paar Tagen mit meinem Freund Chrístos in Léntas telefonisch klar gemacht, dass er mir ein günstiges Zimmer besorgt. Ich hatte die „Villa Mary“ im Auge, die im Ort nur ein paar Meter vom Meer entfernt liegt und in der es auch kleine, günstige Zimmer gibt. Chrístos sollte versuchen, einen Preis von 20 €/Nacht auszuhandeln. Um es dem Vermieter schmackhaft zu machen, war ich bereit, 4 Wochen im Voraus zu zahlen. Und genauso hat Chrístos das dann auch hinbekommen. Einen Tag später rief er mich an, teilte mir mit, dass alles geritzt sei, und ich mir eines von 2 Zimmern im Erdgeschoss aussuchen könne. Die Schlüssel würden stecken. Perfekt!

    Ich stelle mich darauf ein, dass ich möglicherweise erst spät abends in Léntas eintreffen werde. Die Entfernung beträgt rund 130 km und ich werde bestimmt etliche Etappen brauchen und oft lange stehen, bis mich jemand mitnimmt.

    Bis Frangokástello fährt der Kleinbus vielleicht eine knappe halbe Stunde. Auf der Fahrt kann ich mich wieder gut an meine damaligen Motorradausflüge erinnern. Einiges kommt mir bekannt vor. Frangokástello liegt in einer weiten, steppenartigen Tiefebene die sich bis ins Meer hineinzieht. Untypisch für den übrigen Teil der Südküste, die größtenteils von zerklüfteter und karger Felslandschaft geprägt ist. Landeinwärts sieht man die schönen Ausläufer und Berghänge der Léfka Óri an denen weit verstreut kleine Dörfer mit Ihren weißen Häusern kleben.
    Frangokástello hat seinen Namen von einer venezianischen Festung aus dem 14. Jhdt., die am weiten, sandigen Ufer liegt und deren Türme mit Burgzinnen von weither sichtbar sind. Auch hier wieder eine bewegte Vergangenheit von Besatzung, Krieg und Widerstand.

    Ich erinnere mich wieder, wie ich vor über 20 Jahren mit meiner Frau und unserem Söhnchen, der mal gerade 1 Jahr alt war, von Plakiás aus mit dem Mietwagen einen Tagesausflug nach Frangokástello gemacht habe und wir ein paar Stunden am wattartigen Strand waren. Mein Sohn hatte die helle Freude daran, sich von oben bis unten mit dem Matsch-Sand zu besudeln.
    Man konnte zig Meter weit ins Meer gehen und das Wasser reichte einem vielleicht gerade bis zum Bauchnabel. Und wie ich da im Wasser stand, sprach mich von ein paar Meter weiter etwas ungläubig ein griechischer Kellner aus meiner Stammkneipe „Domkeller“ in Aachen an. Ich glaube sein Name war Stélios. Mit kam der Typ auch die ganze Zeit schon bekannt vor, aber vor solch veränderter Kulisse und halbnackt in der Nachmittagssonne, glaubt man dann eher, man halluziniert. Schöne Begegnung auf unserer kleinen Welt.
    Die Gegend um Frangokástello ist ein guter Ort für entspannten und ruhigen Urlaub, es gibt zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten und es ist ein guter Ausgangspunkt, um den süd-westlichen Teil Kretas in alle Richtungen zu erkunden. Einige Schluchten aus den Léfka Óri münden hier, wie die Ímbros- oder die Asféndou-Schlucht, und es gibt viele verschlafene Bergdörfer zu entdecken, die eine bedeutende Rolle während der verschiedenen Besatzungsepochen spielten, wie z.B. Kallikrátes ( auch -Schlucht).
    Außerdem gibt es einige abgelegenere Strände und Buchten, die vom Massen-Tourismus noch einigermaßen verschont geblieben sind.


    Als ich in Frangokástello gegenüber einer großen Taverne aussteige, frage ich den Busfahrer sicherheitshalber mal, ob es nicht doch eine Verbindung weiter nach Plakiás gäbe, und er bestätigt mir vollen Ernstes: "Sure man !" …. und dann grinsend: "Next year!!" Der Witzbold!

    Der Ort ist um diese Zeit wie ausgestorben, nur hin und wieder sehe ich den ein oder anderen Urlauber Brötchen holen oder sonst was. Autos kommen kaum vorbei. Also gehe ich einige hundert Meter die Hauptstraße entlang Richtung Ortsausgang. Wegen der prallen Sonne kann ich hier aber nicht stehen bleiben, sondern gehe noch ein gutes Stück ortsauswärts bis zum ersten Haus rechts, wo ich unter einigen kleinen Bäumen zumindest etwas Schatten habe. Ich setzte die Rucksäcke ab und rauche erst mal eine Zigarette. Den Daumen halte ich noch drinne und die wenigen Autos, die vorbeikommen, lasse ich fahen, da ich erst mal zuende rauchen will.
    Die Route bis Mires habe ich im Kopf. Die Panoramastraße oberhalb der Bucht von Plakiás entlang Richtung Spili, der Kreuzungspunkt, wo die Straße aus Richtung Rethimnon im Norden gen Osten über Agía Galíni, Mélambes, Tymbáki bis Míres führt. Ab Spili wird wieder mehr Verkehr sein, da hier die Hauptachse von der Nordküste in Richtung Messará-Ebene im Süden verläuft.

    Verkehrsmäßig habe ich heute wohl einen ganz schlechten Tag erwischt. Es kommen kaum Autos und die wenigen rauschen vorbei. So stehe ich bestimmt eine dreiviertel Stunde und 2 weitere Zigaretten hier, bis ein Kleinwagen anhält. Ein Paar, ca. Ende 30, fragt, wo ich hinwolle. Sie müßten nach Heráklion zum Flughafen, was für mich natürlich ideal ist, da sie mich mindestens bis Spíli mitnehmen können. Rucksäcke in den Kofferraum und ich steige ein. Die beiden sind aus Freiburg, und wir unterhalten uns während der gesamten Fahrt ziemlich angeregt. Die blonde, symphatische Frau am Steuer ist extrem neugierig zu erfahren, wieso ich alleine mit dem Rucksack unterwegs sei. Sie erzählt mir von ihrem Onkel, der sich auch mal eine längere Zeit raus getan hätte, ich glaube es war Asien, was sie bewundernwert fand. Allerdings hätte er extreme Schwierigkeiten gehabt, im Anschluss zuhause wieder fußzufassen.

    Tja, mal schauen, vielleicht geht es mir genauso. Aber vielleicht komme ich nach meiner Rückkehr auch besser klar, als vorher. Ca. 10 Wochen sind ja auch keine Ewigkeit und vielleicht auch nicht ausreichend, um eine körperliche und geistige „Metamorphose“ zu bewirken. Außerdem bin ich ja immerhin noch in Europa und nicht in Indien oder auf den Spuren des Dalai Lamas in Tibet unterwegs. Mir sind in meinem Leben schon etliche Leute begegnet, die nach längerem Aufenthalt in diesen Ländern tatsächlich nicht mehr klarkamen in Deutschland, oder zumindest lange brauchten, den Kulturschock zu überwinden.
    Aber vielleicht ist der Vergleich mit meinem verlängerten „Solo-Urlaub“ auf Kreta gar nicht angebracht.


    Die Freiburger machen in Frangokástello mit Ihren Kindern Urlaub und holen jetzt den Vater/Schwiegervater/Opa am Flughafen Heraklion ab, der für eine Woche nachkommt. Sie sind diese Strecke noch nicht gefahren und von der Landschaft hier an der Südküste begeistert. Wir haben immer wieder tolle Blicke über die weite, fast halbkreisförmige Bucht von Plakiás, kommen durch schöne, kleine Dörfer und fahren durch die imposante Kotsifoú-Schlucht, die mir von früheren Urlauben noch bekannt ist.
    An dem Hauptknotenpunkt Richtung Spili angekommen, steige ich aus. Das Paar hätte jetzt auch die Möglichkeit gehabt, weiter nach Míres zu fahren und dann hoch nach Heraklion. Wir sind uns aber einig, dass sie besser die Strecke über Rethimnon nehmen, die vielleicht nicht viel kürzer, aber über die New Road an der Nordküste bestimmt schneller zu fahren ist. Jedenfalls habe ich jetzt schon eine gehörige Wegstrecke in einem Rutsch geschafft und bedanke mich herzlich bei meinen netten Landsleuten.

    Das Marschgepäck wieder geschultert, gehe ich nur einige zig Meter Richtung Spili und sehe eine Bushaltestelle. Perfekt!
    Die nächste Zigarette ist ohnehin fällig, und entweder kommt ein Bus, oder mich nimmt jemand mit. Ich rauche erst mal in Ruhe und halte dann den Daumen wieder raus. Es dauert nicht lange, dass ein größerer Pickup angerast kommt und einige Meter weiter anhält. Der Grieche fährt tatsächlich durch bis Míres. Ich kann es kaum glauben, dass ich jetzt voraussichtlich schon am frühen Nachmittag dort ankommen werde.
    Der Mann aus Rethimnon spricht nur Griechisch (oder will nur Griechisch sprechen) und macht einen angespannten und gehetzten Eindruck. Er hätte geschäftlich in Míres zu tun und wäre, wenn ich ihn richtig verstanden habe, noch nie dort gewesen. Er hört, dass ich etwas Griechisch spreche, und fragt mich im Stakkato zu meiner Person und meinen Absichten ab. Ungeduldig gestikuliert er immer wieder, ich solle schneller und fließender reden, was mich etwas überfordert. Seltsamer Typ. Als er hört, dass ich Deutscher bin, geht die obligatorisch oberflächliche Hetze über Angela Merkel los. Er zeigt mir seine Tank-Quittung: 23 % Mehrwertsteuer hat ihm Angela Merkel aufgebrummt! Mit der typischen Handbewegung verdeutlicht er, dass man ihr die Kehle durchschneiden sollte. Und überhaupt, sie ist an allem Schuld.
    Bei allem Verständnis für seine Situation, sehe ich mich nicht in der Lage, mit meinen geringen Griechisch-Kenntnissen eine tiefsinnigere politische Diskussion zu führen. Einerseits wäre das sprachlich überhaupt nicht möglich, und zum Anderen habe ich absolut keine Lust dazu. Es würde bei diesem Menschen auch zu nichts führen und mich wahrscheinlich in meiner mentalen Entspannung wieder um einige Tage zurückwerfen. Ich versuche ihm nur begreiflich zu machen, dass ich zwar Deutscher, aber nicht Deutschland sei, und vor allem nicht Angela Merkel. Ich zeige auf meine Gesichtsbehaarung und sage: „Kita! Den íme Angela Merkel!“ (Schau mal! Ich bin nicht Angela Merkel!). Das macht ihn jetzt stutzig.
    Dann erwähnt er plötzlich nebenbei, dass er mit einer Deutschen verheiratet sei. Jetzt bin ich wiederum verdutzt und denke nur: die Ärmste.
    Irgendwie gibt mir der Mensch während der gesamten anderthalbstündigen Fahrt nur Rätsel auf. Er scheint mir ein einziges Nervenbündel zu sein. Aber immerhin hat er wohl ein Herz für Tramper und bringt mich an mein Ziel.
    In Míres schmeißt er mich am Ortseingang an der Busstation raus. Ich bedanke mich, und gebe ihm die Hand, was er aber für überflüssig zu halten scheint, denn er hat keine Zeit und schaut nur nervösen Blickes, wo er hin muss.

    Es ist gerade mal 14.00 Uhr! In rekordverdächtiger Zeit von Chóra Sfakíon nach Míres! Jetzt kann ich alles um so ruhiger angehen lassen, gehe erst mal in die Busstation, um in Erfahrung zu bringen, ob heute noch ein Bus nach Léntas geht. „Óchi! Ávrio stis mía“ ( Nein, erst wieder morgen um eins). Der Bus ist also gerade erst eine Stunde weg. Macht nix. Ich kaufe mir am Kiosk 2 Päckchen Karélia und mache Pause im geliebten Stations-Kafeneion mit gutem und günstigem Neßcafé schwarz mit Zucker. Hier sitze ich mindestens eine Stunde, schau mir wieder entspannt das Treiben an, Einheimische und Reisende jeder Couleur, Busse nach Féstos, Mátala, Ágia Galíni in die eine Richtung, nach Ági Déka, Heráklion in die andere.

    Míres und Umgebung ist mir nach zahlreichen Urlauben mittlerweile ziemlich vertraut. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten nach Léntas zu kommen. Autostop oder Taxi. Taxi würde 25 € kosten. Wäre ziemlich blöd, denn das Trampen klappt einfach zu gut, und ich habe ja Zeit ohne Ende.
    Ich gehe die lange, geschäftige Hauptstraße durch den Ort, der eigentlich immer ziemlich belebt ist, aber jetzt ist Siesta. Ich beschließe immer weiter geradeaus in Richtung Vorort Kapparianá zu laufen, da dort die Straße rechts abgeht, die direkt nach Plátanos führt. Ab da folgt nur noch Plóra und Apessokári, von wo es dann über die Asteroússia-Berge nach Léntas geht.

    Míres gilt als die größte Stadt der riesigen Messará-Ebene, mit ihren Millionen Olivenbäumen. Die genaue Einwohnerzahl weiß wohl niemand so genau, sie wird vielleicht bei 10-15 Tausend inkl. Vororten liegen, und bildet neben Tymbáki das geschäftige Zentrum der Region. Seit 2010 gehört Mires zur Gemeinde Féstos, wo der Name Programm ist.
    Míres (genau wie Tymbáki) ist alles andere als pittoresk und manch einer bezeichnet die „Straßenstadt“ als häßlich, womit er auf den ersten Blick auch Recht hat, aber ich finde sie auch interessant und ziemlich authentisch. Es hat ein relativ großes Einzugsgebiet, was in die Messará und bis zur Südküste mit den vielen Dörfern ausstrahlt. Jeden Samstag gipfelt die Woche im urigen und bunten Marktgeschehen, wo sich alles trift, was Beine hat. Die Bauern mit bepackten Mauleseln aus dem Umland sieht man aber leider kaum noch.


    Die Ausfallstraße Richtung Ági Déka zieht sich doch ziemlich hin, und mein HighPeak wird wieder schwer. Ich bin immerhin schon über eine Woche keine längere Strecke mehr damit gelaufen. Am letzten Lebensmittelgeschäft rechts hole ich mir eine kalte Dose Cola, die ich mir so wegzische.
    Dann hält ein roter Kleinwagen aus gegenüberliegender Richtung an, läßt die Scheiben runter und eine deutsche Frau mit ihrer vielleicht 17-jährigen Tochter fragen mich nach einem Supermarkt. Sie wären gerade angekommen, jetzt auf dem Weg nach Lentás und wollten sich vorher mit Lebensmitteln eindecken. Ich weise sie auf den großen Supermarkt nur 200 m weiter hin und sage ihnen, dass ich nach Léntas trampen würde. Etwas schuldbewußt gibt mir die Frau zu verstehen, dass sie mich ja gerne mitnehmen würden, aber ..... Und ich sehe gleichzeitig, dass das Auto hinten so vollgepackt ist, dass, besonders nach dem Einkauf, beim besten Willen keine Maus mehr rein passt.
    Kein Problem, vielleicht sieht man sich ja in Léntas!

    Ich gehe weiter bis zu meiner Abzweigung nach Plátanos und noch 30 Meter weiter bis zum Ende der Bebauung, wo ich mich hinstelle. Diesmal nicht in den Schatten, weil ich den Blick auf das Asteroússia-Gebirge in der Nachmittagssonne jetzt genießen will. Ein Hund im letzten Haus gegenüber, bellt aufgeregt und unentwegt unter einem Torschlitz hindurch, weil ich um diese Tageszeit offensichtlich eine unerwartete Attraktion bin. Ansonsten regt sich keine Menschenseele und die wenigen Autos, die von der Hauptstraße aus abbiegen, geben hier gewohntermaßen Gas und fahren vorbei.
    Ich bin zuversichtlich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, und genieße meine Zigarette. Nach einiger Zeit kommen tatsächlich Mutter und Tocher im roten Auto vom Shoppen, halten korrekterweise kurz an, um die Unmöglichkeit der Mitnahme nochmal unter Beweis zu stellen, und setzen ihren Weg nach Léntas fort.

    Es dauert nicht lange und ein alter, kretischer Bauer mit kleinem, ziemlich kaputten Pick-Up kommt ganz gemütlich angefahren und lädt mich ein, bis Plátanos mitzufahren. Er ahnt sofort, dass ich nach Lentas will, und weiß, dass es von Plátanos aus immer einfacher wird, per Anhalter dahinzukommen. Auf der vielleicht 4-5 Km langen Strecke erfahr ich von dem freundlichen, alten Mann mal wieder, dass er vor zig Jahren in Deutschland gearbeitet hätte, aber leider kein Wort Deutsch mehr könne. Ansonsten der übliche Small-Talk.
    Auf dem zentralen Platz in Plátanos läßt er mich an der Abzweigung nach Apessokári raus. Stó kaló! (Alles Gute!).

    Hier nimmt mich nach wenigen Minuten ein schon etwas reiferes Paar aus Frankreich auf, was von Agía Galíni aus zu einem Tagesausflug nach Léntas unterwegs ist. Hinter Apessokári folgt jetzt das letzte und schönste Stück des Weges, die unendlichen Serpentinen rauf mit dem atemberaubenden Blick zurück über die Messará-Ebene auf das Psiloritis-Gebirge, und bei der Abfahrt an die Küste auf das Libysche Meer. Der mit 1231 m höchste Gipfel, der Asteroússia-Gebirgskette, die sich hier über einen Streifen von vielleicht 60-70 km an der Küste nochmal steil auffaltet, ist der Kófinas. Man sieht ihn im Osten ab dem Scheitelpunkt der Strecke bei der Abfahrt und er verändert sein markantes Aussehen je nach Tageslicht. Mich erinnert er ein wenig an den „Freiheitshut“ aus der französischen Revolution (die phrygische Mütze).

    Für die „nur“ ca. 15 km von Apessokári nach Lentas über die Berge benötigt man immer eine halbe Stunde +/- 5 Minuten. Auf dem direkten, geraden Weg von Héraklion Flughafen nach Léntas braucht man für die über 60 km bis zum Fuß des Asteroússia-Gebirges eine knappe Stunde. Für den vermeintlich kleinen Rest der Strecke dann nochmal halb soviel Zeit.
    So manch ein Tagesauflügler, der von weiter her kommt, wie z.B. aus Plakiás, gibt vielleicht in Höhe von Miamoú (sehr schön!) auch wieder auf und macht kehrt, weil er denkt, er ist am Ende der Welt und es käme nichts mehr. Oder er will noch bei Tageslicht unbedingt wieder „zuhause“ sein und ist der Kurverei satt. Bis in die 80er Jahre hinein war die Straße nach Léntas noch nicht geteert und die Léntas-Freaks aus dieser Zeit kennen die noch etwas beschwerlichere (Tor-)Tour mit den alten Bussen über die Schotterpiste.
    Faszinierend finde ich immer den Gedanken an den bekannten Schriftsteller „Níkos Katsantsákis“, der sich seinerzeit lange in Léntas in einer Höhle aufgehalten und dort geschrieben hat, und mit seinem Maulesel samt Freundin über die Berge gekommen sein soll. Entspannter geht’s wohl kaum, sofern man genug zu trinken hat. Aber es gibt auch noch einige Bergwasser-Quellen hier.

    Das französische Paar ist ganz nett, fängt allerdings zwischendurch an, von den Zimmer- preisen zu reden, und beschwert sich, dass 30-40 € für die meisten Zimmer schon ziemlich viel seien. Ich gebe zu Verstehen, dass ich da garnicht ihrer Meinung bin, und lasse ansonsten das schönste Stück am Ende meiner Tagesstrecke auf mich wirken.
    Ich gebe den beiden noch einige Hinweise zur Umgebung des Ortes, und sie lassen mich auf dem „Willkommensplatz“ unterhalb von Peters' Café (Café Pétros) raus: LÉNTAS.

    ENDE

    Fazit folgt....

    ..und vielleicht noch ein paar Fotos...
    Geändert von belgofritz (5.March.2018 um 10:05 Uhr)

  10. #130
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    Fazit:

    Ich hatte befürchtet, dass ich, wenn ich einmal in Léntas bin, nicht mehr da wegkäme. Und so war es auch.
    Meine Unterkunft war einfach perfekt. Mein Zimmer mit Doppelbett, Schrank, Dusche und Kühlschrank lag im Erdgeschoss, mit geräumiger Terrasse und 2 Maulbeerbäumen als Schattendach. Auf einem Natursteinsockel neben den Zimmereingang hatte ich mir meine Außenküche mit kleinem Camping-Gaskocher zusammengestellt. Ich hatte meine 10 Meter zum Wasser und ich fühlte mich jeden Morgen nach dem Aufstehen mit Blick aufs Meer wie im Paradies.
    Eigentlich wollte ich ja noch den Osten der Insel kennenlernen und dachte schonmal darüber nach, mich von hier aus wieder aufzumachen, habe es dann aber immer wieder verworfen. Die 14 Tage, die ich unterwegs war, waren so voller Eindrücke, dass ich kein Bedürfnis mehr verspürte, meinen Treck fortzusetzen. Das Trampen hatte wunderbar geklappt und ich hatte mich so daran gewöhnt, dass ich auf diesem Wege und mit dem Bus noch einige Male nach Míres oder Matala und wieder zurückgefahren bin, aber nicht für mehrere Tage. Mir reichten jetzt einige Kurztrips und Wanderungen zwischendurch mit meinem Daypack, und der gute Zenit blieb ausgepackt im Schrank.
    Die 14 Tage Rucksack-Revival waren das, was ich gebraucht hatte, und wenn es eine Erkenntnis daraus gibt, dann die, dass du es immer gut antriffst und immer Glück hast, wenn du nur entspannt und offenen Herzens unterwegs bist.


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    Aber doch noch eine Sache noch zum Abschluss:
    Bei meinem Rückflug Ende Oktober in Heraklion am Flughafen musste die Maschine auf mich warten und ich wurde zweimal mit Last Call zum Boarding aufgerufen, da beim Scannen meines Daypacks ein kleiner, verdächtiger Gegenstand gefunden wurde. Es handelte sich um die leere Patronenhülse, die ich auf dem Weg nach Arádena aufgehoben und fortan in den Tiefen meines Daypacks mit mir rumgetragen hatte. Sachlich professionell erklärte man mir: „Kaliber 9mm!“, Ich (natürlich keine Ahnung): „Aha!“
    Man nahm mir zwar sofort ab, dass das einfach nur eine Fundsache als Souvenir war, es mußte aber der Ordnung die Flughafenpolizei gerufen werden, und ich mußte erst mal einige Fragen beantworten und ein Formular ausfüllen. Mein Flug war den Controlettis ziemlich egal, und so habe ich es gerade noch kurz vor knapp als Letzter in den startklaren Flieger geschafft.
    Aber auch hier gab es wieder ein Szene, die einfach köstlich war und jede Angst vorm Verpassen des Flugs sofort wieder verfliegen ließ:
    Einer der jungen Kontrolleure am Scanner sieht mein T-Shirt mit dem mittlerweile bekannten Léntas-Logo, der unverwechselbaren Löwenberg und Elefanten-Silhouette des „Malers“ Chrístos, und fragt mich lauthals und hoch erfreut:
    „You come from Lentás?“
    „Yes“
    „Do you know Xenofóndas?? From Panther Bar?? He is good a friend of mine!!“.....
    „ Sure! I know him!!“.....

    Mein Kreta, so gewaltig und doch so klein....

    Den Bericht gibt's jetzt "an einem Stück" auch unter: belgofritz.wordpress.com
    Geändert von belgofritz (9.March.2018 um 10:47 Uhr)

  11. #131
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    Wunderbar , vielen Dank . Deine Berichte finde ich einfach klasse!
    Η Κρήτη βρίσκεται στην καρδιά μου

  12. #132
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    [QUOTE=belgofritz;313458]Fazit:

    .... dass du es immer gut antriffst und immer Glück hast, wenn du nur entspannt und offenen Herzens unterwegs bist.....

    Ein wunderschöner Satz und so wahr.

    Spannender Bericht. Danke.

    Grüße
    Inge

    PS. Hat nicht so richtig geklappt mit dem Zitieren.

  13. #133
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    Der Bericht ist wieder super! Schade, daß es jetzt vorbei ist.Hätte gern noch mehr gelesen
    LG Dorad

  14. #134
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    Danke für eure Feed - Backs!!
    Den Bericht gibt's jetzt "an einem Stück" auch unter: belgofritz.wordpress.com
    für diejenigen, denen die "zerstückelte" Version zu anstrengend ist.

    VG
    Belgofritz
    Geändert von belgofritz (27.March.2018 um 15:18 Uhr)

  15. #135
    Avatar von Inke
    Inke ist offline πάρτε με πάρτε με στην Κρήτη
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    Hallo Belgofritz,
    ich danke Dir, dass ich Dich auf deiner Erinnerungsreise durch Kreta begleiten durfte. Viel Orte Deiner Reise weckten auch in mir die Erinnerung und die Sehnsucht....

    Grüß mir Aachen
    Inke


    Lasst uns immer in den großen Traum des Lebens
    kleine bunte Träume weben

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