Als Alleinreisender, gibt's auch die Momente daß du dich alleine fühlst, weil du so im Intuïtivem keine anspruchsvolle Leute triffst, oder ein Paar Tage vom Kontaktunfähigkeit überfallen bist. Das Letzte da kann mir ebenfalls mal passieren, oder vielleicht war beides hier der Fall.
Ich war in Paleochora wo die Einheimischen so unglaublich freundlich sind, aber wo's mir in meinen 'gefälschten' Moment nicht gefiel. Wenn ich nun gewüßt hätte was direkt vor mich lag...

Ich traf eine Frau aus Irland. Wie ich, ein Typ mit sehr minimales Gepäck, und zu jedem Moment fertig (im Sinne 'prepared') nach einem anderem Ort zu fahren. Und dazu, ja, gab es sicher noch weitere Gründe für eine Anzeihung hin und wieder.
Sie war zusammen mit ein Urlaubsfreundchen, aber hatte eindeutig genug von ihm, und ob ich hier mit Ursache war? Jahhh, kann wohl sein. Am nächtsten Tag hab ich erwähnt daß ich die Samaria Schlucht gern mal besuchen wollte, und die Irische Frau hatte das Gleiche auch schon seit 'ne Woche im Gedanken. Die Idee daß wir das zusammen unternehmen könnten bekam schnell eine feste Form, und natürlich gab's ihr auch den 'legitimen' Grund sich vom Urlaubsfreund zu trennen. So hard ist das Leben halt.

Ich wurde abends von die Beiden zu 'ne wunderschöne Schlafstelle am Strand gelotst, paar Meter von ihnen entfernt, und bei Tagesanbruch war der Urlaubsfreund irgendwie schnell verschwunden, oder da ist etwas an meine Aufmerksamkeit vorbeigegangen. Auf diesem Punkt jedenfalls, war Aussteig aus dem nachfolgenden Abenteuer nicht mehr möglich, ganz klar.

Der Gegenwart hammert sich wieder in mein Kopf, und ich überlege mit die Irische.
Was is jetzt das Beste? Nordlich fahren und dann nach Omalos? Das kostet etwas: Zeit und Geld. Mit dem Schiff nach Ayia Roumeli? Schneller, billiger, aber dann kann man den Schlucht nur ein kleines Stückchen hochlaufen und dann wieder zurück, weil das Schiff nicht recht früh in Roumeli anliegt.
Wir, very low budgettiert, nehmen das Schiff, mit Saltztroffel aufs Gesicht dazu, und nehmen die Ausblick auf die schöne Küste als Geschenk mit.

In Roumeli essen wir etwas das Frühstuck heißen soll, und lassen unserem Gepäck im Taverna hinter, kein Problem laut der Wirt. Bewaffnet mit Sandale (Bergschuhe: nie von gehört), ein paar Liter Wasser, einige Apfel, und (man kan ja nie wissen) unsere Schlafsäcke, sind wir um die Mittagsuhr unterwegs in der Schlucht.

Die ersten zwei Stunden kommen uns etwa 2000 Leute entgegen, die alle im frühen Morgen den Tripp in Omalos angefangen haben. Diese Masse geht uns vorbei, und ziemlich plötzlich wird es wohl ruhiger. Wir teffen noch ein sehr angenehmes Pärchen ultrasportiven Kanadier, die etwas später da oben losgelaufen sind und sich links und rechts herum rannend den Schlucht ja wirklich genießen.

Wir sind gerade vorbei das engsten/schmalsten Teil der Schlucht und dann kommt uns noch ein Beamter mit Esel (drauf eine verletzte Frau) entgegen. Auch dieses Lärm verstummt irgendwann hinter uns.

Und dann, und dann ...
Die STILLE.
Die STILLE die so still ist daß man den ersten Fliege die vorbeikommt zutraut eine Steinlawine zu verursachen.

Wir reden nicht viel mehr. Ein Wort in fünf Minute reicht. Steinchen die vom Hang keilen. Sonst nichts. Sogar die Gedanken werden klein, nietlich, und lösen auf. Wir laufen und lassen es 'reinkommen. Genau das richtige gemacht. Wir laufen hier.

Wir erreichen die Mitte der Schlucht (Ayia Maria?) und da kommen die Schluchtwächter auf uns zu. Dass kann nichts Gutes bedeuten! An dem Moment schallt 500 Meter höher ein Gewehrschuss. Die Behörden kehren um und machen sich böse, da ist ohne Zweifel wieder ein (beschutzten) Krikri abgeschossen von den Freien daoben. Ist es nur meine Vorstellung, oder die Wahrheit, das da oben ins Unerreichbare noch welche blau-augigen Abkömmlinge leben von den Dorier - der Rest Kretas sei Minoer Abstammung?
Die Behörden schreien nach oben, und das sehr beleitigendes Antwort von weit oben echot zweimal herum. Kurz nachher wenden die Wächter sich wieder uns zu... Wir dürfen nach 16:00u nicht in der Schlucht sein, und sollen direkt umkehren. Hierauf haben wir bereits gerechnet, aber wir bitten sie trotzdem ...
Vielleicht wegen dem Vorfall mit dem Schuss, aber die Behörden sehen uns Touristen jetzt scheinbar als etwas relativ Unschuldiges. 'Also, ach, wann wir sehr leise und stille seie, oke, dann, ach, nur dieses eines Mal, habt ihr das verstanden ?!?!' Und wir vesprechen ja seeehr leise zu sein, das ist dennauch kein Thema, überhaupt kein große Aufgabe.

Wir gehen schnell weiter, bevor die Behörden sich bedenken, da haben wir MASSIVES Glück gehat, oder?
Und ab jetzt sind wir alleine auf der Welt, nur wir.

Eine Kilometer weiterhin fangen wir an langsamer zu laufen, unbemerkt. Und noch langsamer, wir sind uns nicht bewüßt davon. Noch langsamer. Und setzen uns dann endlich hin neben das Flußbett, das hier tief und steil ist, mit senkrechten Kieselwände. Nicht bewüßt.

TOTALER NATURSHOCK. Sprachlos.

Ein paar Krikri's kommen vom Hang herunter und näheren uns bis auf ein paar Meter. In einem anderem Bewüßtsein spielt sich das ab, und unsere Zunge sind einfach blokkiert, wie auch die Muskeln.

Eine halbe Stunde dauert es, dann stehen wir wieder auf. Die Sonne senkt schon und wir müßen weiter. Wie ein Aufwachen, aber die andere Tür zum Bewußtsein bleibt weit offen.

Wir sprechen kaum noch. Die Sonne geht langsam runter und die Abend schieben wir noch viele Minuten voraus weil der Weg jetzt sehr scharf hoch geht am rechtenseite des Tals. Langsam kommt auch der Berg auf der andere Seite auf uns zu, und wir spazieren nun immer tiefer in die Prähistorie: beim hochlaufen werden die Steine im Flußbett größer und weißer, die Bäume alter, die Eindruck stärker. Die Uhr läuft echt mit Jahrtausente rückwärts.

Wir bleiben nicht die ganze Zeit auf das Pfad, und treffen ein wahnsinnig dicken Tannenbaum mit ein riesigen Felsblock der im Stamm mit aufwärts wachst. Waah... Der altesten Olivenbaum auf Kreta sollte hier jetzt Respekt zeigen. Kranke Bäume gibt's hier nicht. Was hier überleben kann, muß extrem zäh sein, und ist dann locker Jahrhunderte dabei. Ich stelle mich den ungeheure Sturme vor die es hier auch mal geben muß, und 'ne Wintertemperatur die wir nicht mehr kennen. Alles ist gesund hier, weil die schwächere Dinge direkt vom Natur erwischt werden.

Der Abend überholt uns kurz nachdem, und es wird dunkel. Unter die helle Sternen ist das Pfad leicht zu folgen, aber unsere augen sind fixiert auf dem Boden damit wir nicht stolperen. Da ändert sich was im Licht... Hat jemand extra Sternen bestellt? Wir schauen nach hinten, und da vollzieht sich das großeste Phänomen der Samaria Schlucht:
Der VOLLMOND hat sich vom südlichen Bergen freigemacht und leuchtet genau in die Längerichtung der Schlucht auf alles, alles und alles was von hier zu sehen ist, alles was auch Kilometerweit im dunkles verborgen war, und strahlt auch auf unsere Hang und die andere Hang, die Hunderte von Meter entfernt is aber im diesem fabelhaftem Lichtspiel auf uns zu rennt und so nah kommt daß wir 's fast berühren können. Farben sind nur noch leichtgrün und grau. Felsen sind genau so lebendig wie Bäume...
Dieses tief beindrückendes Erlebnis kann man nicht nachjagen, es kommt halt mit allerscharfstem Glück zu uns.

Die letzte Kilometer nach Omalos laufen wir unwillig. Untertreibend gesagt, die bewohnte Welt lockt nicht an, aber etwas essen müssen wir schon.
Da oben, mit wenig Geld und die fast vergessenen Schlafsäcke dabei, verzichten wir auf eine sauteuere Zimmer. Beim Temperatur von 2 Grad minus, bleibt uns keine andere Wahl dann fest umarmt bzw. völlig verknüpft unter den Himmel zu schlafen, egal ob sowas anfangs einkalkuliert war oder nicht.

Am nächtsten Tag lassen wir erst mal 2000 Schluchtläufer vorbeigehen, und wandern dann ruhig den Schlucht wieder herunter. Aber alleine sind wir nie mehr, und die Landschaft ist auch nicht mehr unseres Thema, das hatten wir schon top-erlebt. In einem Nebenflußbett springen wir von großen weissen runde Steine auf großen weissen runden Steine, wie Kinder. Wir finden auch eine natürliche tiefe Badewanne mit eis-eiskaltes fließendes Wasser, und schwimmen darin und frieren uns die X und Y ab, genießen demnächst die Sonne damit das alles wieder auftaucht. Was sich dazwischenliegend noch abspielte, gleichwie den nachfolgenden Tag am Roumeli's Strand, das zensuriere ich mal.
Noch ein Tag später, verabschieden wir uns, und gehen wieder unsere eigene Wege.

Bisher das Verfahren.
En wann es inhaltlich bei Euch welche philosophishen Fragen aufruft, dann wirf die bitte in mein Postfach, mit Antwortgarantie !